Schatten der Vergangenheit – Die Wohnung Deiner Mutter

Ich habe ab und an Flashbacks und denke über Dinge aus meiner Vergangenheit nach, nun habe ich mir vorgenommen, diese hier einfach aufzuschreiben, für mich und für Euch, damit Ihr vielleicht auch feststellen könnt, das Ihr Euch für manches nicht schämen müsst.

Zum Beispiel hatte meine damalige Freundin mal ein Anliegen. Ich kannte ihre Mutter und auch deren Wohnung, doch plötzlich meinte Marie (Name geändert, um die Privatsphäre zu schützen) das die Wohnung ihrer Mutter leer gemacht werden müsste, um diese an den Vermieter zurückzugeben. Natürlich bot ich mich an zu helfen.

Es war allerdings nicht die Wohnung die kannte, sondern eine größere Wohnung in der ihre Schwester bis kurz vor der Übergabe hauste, ja hauste ist der richtige Ausdruck. Es kam uns an der Tür ein beißender Geruch entgegen. Marie`s Mutter schien es gänzlich peinlich zu sein uns in die Wohnung zu lassen, doch wir wollten ja helfen.

Die Fenster waren mit Alufolie abgeklebt, der Teppichboden verdreckt und mit dem Untergrund schier verwachsen. Der Balkon vollgemüllt. Horror, wie konnte hier denn ein junges Mädchen leben fragte ich mich. Die Schwester war zwar volljährig, aber anscheinend überhaupt nicht alleine lebensfähig, oder eine extreme Dreck… Nein, ich schreib es nicht aus.

Auf dem Balkon fanden wir ein Käfig mit den Überresten eines Meerschweinchens, wie grausam dachte ich mir und Marie übernahm den Balkon. Ich beschloss mich im Wohnzimmer mitzubetätigen und ihrer Mutter zu helfen. Mit einem Spachtel mussten wir den Teppich vom Untergrund lösen. Ich setzte mich hin und hatte das Gefühl das Feuchtigkeit in meine Jeans drang, ich bemerkte auch wie es immer erbärmlicher stank.

Die Mutter begann an zu weinen und zu erzählen, oft hätte ihre Tochter Karin sie bedroht und sie hätte sich dort eingeschlossen. Wenn sie auf Toilette wollte hat sie sich nicht getraut und in die Blumentöpfe Wasser gelassen, irgendwann sei sie dann in die neue Wohnung geflohen und hatte Karin alleine dort gelassen, doch das nun auch die Katzen dort auf den Boden gepieselt haben, war ihr unangenehm und peinlich.

Ich muss zugeben ich war damals nicht ganz so erschüttert wie ich heute darüber bin. Mein Gedanke war zu dem Zeitpunkt nur, wir müssen die Wohnung leer bekommen, damit das Thema abgeschlossen ist. Wir haben das ganze Wochenende geschuftet unzählige Säcke voll Müll aus der Bude geschleppt, meine Klamotten habe ich hinterher entsorgt, aber verstanden habe ich es bis nicht. Wie kann man seiner Mutter so etwas antun? Wie kann man so hausen? Und warum macht man seinen Dreck nicht selber weg?

Später erfuhr ich das Karin ins LKH eingeliefert wurde, sie hat sogar ihre Betreuerin verprügelt. Marie wollte sie besuchen, eine Freundin und ich haben sie begleitet, aber davon vielleicht ein anderes Mal.

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